NEWS FRATERNIDAD Februar 2023
Über die Herausforderungen und Highlights in der Fraternidad
Reiner Vargas, Bewohner der Fraternidad (Studentenheim), gibt einen Rückblick auf das Jahr 2022 in Ecuador und die Situation in der Fraternidad:
Veränderungen in der Fraternidad aufgrund wirtschaftlicher Lage
2022 gab es in der Fraternidad einige Veränderungen aufgrund der begrenzten Ressourcen des Studentenheims und der tiefgreifenden Rezession, die durch die Pandemie ausgelöst wurde. Dies führte dazu, dass die Anzahl der Bewohner im Studentenheim reduziert werden musste.
Die wirtschaftliche Lage in Ecuador ist für die bedürftigsten Familien sehr schwierig. Dies wird noch verschlimmert durch die Gewalt aufgrund des Drogenhandels und die vielen Todesfälle durch Auftragsmorde in den Küstenstädten des Landes. Aus dieser Situation suchen die Jugendlichen einen Ausweg durch Bildung, und die Fraternidad möchte ihnen eine Hoffnung für ihre Träume geben.
Ein Bewohner konnte sich das Studium aber schlichtweg nicht mehr leisten. Das Haus hat eigentlich Platz für 10 Personen, aber es fehlt an Mitteln, um es vollständig zu besetzen. Aktuell wohnen sechs Studierende in Pomasqui und fünf befinden sich auf der Warteliste. Um das Studienprojekt fortzuführen, mussten wir uns wirtschaftlich umstrukturieren und die damit einhergehenden Risiken tragen. Einige ehemalige Mitglieder der Aufnahmestelle unterstützen uns dabei mit Geldspenden und andere mit Lebensmitteln. Auf diese Weise hoffen wir, in Zukunft die Kapazität für weitere 6 bis 10 Jugendliche zu erhöhen.
Leistungsdruck an der Universität
Im Laufe des letzten Jahres verliessen ausserdem drei angehende Studenten die Fraternidad. Diese Jugendlichen kommen meist aus Küstenregionen und haben oft unterschiedliche Bildungsstände. Die Vermittlung erfolgt durch Kontaktpersonen, die das Schulniveau der Jugendlichen kennen. Nicht alle Bewohner können dem hohen Leistungsdruck der Universität standhalten und ihr Wissen aus der obligatorischen Schulbildung reicht manchmal nicht aus, um das Niveau der Universität zu erreichen. Daher haben zwei der drei Bewohner die Fraternidad aus diesen Gründen verlassen.
Erfolgreiche Studiumsabschlüsse
Zwei Bewohner der Fraternidad haben im Jahr 2022 ihr Studium abgeschlossen: Billy Ortiz studierte Optometrie und wartet jetzt auf seine Graduierung. Er arbeitet momentan in einem Fachgeschäft für Augenoptik. Ronny Guagua hat Informatik studiert und wartet jetzt auf seine Aufnahme. Im Januar hat Josué Guerrero Gastronomie abgeschlossen und betreibt jetzt ein Café im Dorf Mindo, zwei Stunden von Quito entfernt.
Aktuelle Bewohner der Fraternidad
- Freddy Pérez: Bilddiagnostiker, koordiniert bei einer Radiologieklinik und ist wirtschaftlicher Mitarbeiter. Er leistet einen Beitrag zu den Haushaltsausgaben und versorgt das Studentenheim mit Medikamenten. Ausserdem unterstützt er Leo bei der Leitung des Studentenheims.
- Juan Caicedo studiert Betriebswirtschaft, befindet sich im fünften Semester und arbeitet Teilzeit, um sein Studium zu finanzieren und einen Beitrag zu den Haushaltsausgaben zu leisten.
- Billy Ortiz, Absolvent der Optometrie, wartet auf seine Abschlusszertifizierung und arbeitet in einer Optik, hilft auch ein bisschen bei den Haushaltsausgaben.
- Rainer Vergara beendet das fünfte Semester Informatik an der Universität Salesiana.
- Maycol Carriel ist noch ein Schüler. Das ist eine Ausnahme, die wir auf Anfrage seiner Familie aus Santo Domingo de los Tsáchilas gemacht haben, damit er seine Bildung hier in Quito zu bessereren Bildungsmöglichkeiten fortführen kann. Er befindet sich in seinem letzten Schuljahr.
- Davier Ortiz, der bis Donnerstag, 2. Februar 2023, bei uns war, reiste nach Argentinien, um Medizin zu studieren, erhielt ein Studienstipendium.
Ende Februar erwarten wir zwei neue Jungs und möchten einem Mädchen dabei helfen, ein Stipendium für Unterkunft und Studium zu erhalten. Wir unterstützen weiterhin Familien mit geringen Mitteln mit Lebensmitteln und helfen in unserer Freizeit und an den Nachmittagen in den Nachhilfe-Projekten für Kinder in unserem Quartier.
Insbesondere für die neuen Studenten ist die freiwillige Arbeit im Quartier wertvoll, um im in der Stadt Quito und im Quartier Pomasqui anzukommen, Kontakte zu knüpfen und einen solidarischen Umgang miteinander zu lernen.
Stillstand Gästezimmer
Das Projekt der erweiterten Küche und des Gästezimmers musste leider unterbrochen werden, weil uns die finaziellen Mittel fehlen, um es fertig zu stellen. Gerne möchten wir dieses fertigstellen, um eine grössere Aufnahmekapazität zu ermöglichen und ein Gästezimmer bereitzustellen, um Eltern, Freunde, Freiwillige oder jede Person, die für einige Tage eine Unterkunft aus medizinischen Gründen oder zur Erledigung von Angelegenheiten in der Hauptstadt benötigt und nicht über genügend Mittel verfügt, um eine Unterkunft zu bezahlen, aufzunehmen.
Weiter haben wir auf dem Vorplatz Vorkehrungen getroffen, um Überschwemmungen durch Regenwasser zu verhindern, im Haus haben wir Zimmer gestrichen und ums Haus herum die Anlagen instand gesetzt.
Saludos de toda la Fraternidad en Pomasqui,
Reiner Vargaz

